Naturschutz in OWL wird mehr und mehr aufgeweicht

Bezirkskonferenz Naturschutz berät Freitag in der Bezirksregierung über Probleme und Chancen 

Die Bezirkskonferenz Naturschutz OWL freute sich sehr auf den Besuch von NRW-Umweltministerin Christina Schulze-Föcking anlässlich ihrer Sitzung am Freitag in Detmold. Leider musste die Ministerin jedoch kurzfristig absagen wegen der Untersuchung des Hacker-Angriffs auf ihr Privathaus. Nichtsdestoweniger sollen die akuten Probleme im OWL-Naturschutz auf den Tisch kommen. „Große Sorgen bereiten der Schwund an Artenvielfalt in der Kulturlandschaft, besonders der Insekten. Auch neuartige Wasserbelastungen , verschleppte Fließgewässerrenaturierung und  eine Verbesserung der Grundwasserqualität sind Stein des Anstoßes. Wir werden Frau Schulze-Föcking unsere Sicht der Dinge zukommen lassen und hoffen auf ein vertiefendes Gespräch in Düsseldorf,“ meint dazu Karsten Otte, Sprecher der Bezirkskonferenz.

 

Artenvielfalt schwindet

Die Biodiversität im Land ist hochgradig bedroht: der massive Insektenrückgang von über 75% der Biomasse in den letzten 25 Jahren legt die Axt an die Wurzel der Nahrungspyramide! Dazu wird der bekannte Entomologe Werner Schulze aus Bielefeld einen Vortrag über die Situation auch in OWL halten und mögliche Lösungswege aufzeigen. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die intensive Landwirtschaft, aber auch andere Faktoren verstärken den Rückgang. Wird unsere Kulturlandschaft durch immer intensivere Nutzung zusehends „entartet“, d.h  sind es in Zukunft nur noch wenige Überlebenskünstler und Opportunisten, die es mit uns Menschen noch aushalten?

 

Stabsstelle Umweltkriminalität wiederherstellen

Verschärft wird das Artenschutzproblem durch kriminelle Machenschaften  gegen einzelne planungsrelevante Arten: kürzlich wurde wieder ein gezielte Vergiftung bei einem bedrohten Rotmilan in einem „Windkrafterwartungsgebiet“ festgestellt! Die Bezirkskonferenz hat eine Resolution zur Wiedereinsetzung der gerade herabgestuften „Stabsstelle gegen Umweltkriminalität“ beim NRW-Umweltministerium – nun aber mit einer endlich ausreichenden personellen Ausstattung und weitreichenden Kompetenzen – formuliert.

 

Defizite bei der Gewässerökologie in OWL

„Trotz massiven Drucks aus Brüssel über die EU-Wasserrahmenrichtlinie, die Fließgewässer und das Grundwasser auch in OWL in einen guten ökologischen Zustand zu bringen, ist der Fortschritt auf diesem Feld immer noch zu langsam und unzureichend,“ meint Otte weiter. Bei der Konferenz wird Wasserexperte Dr. Manfred Dümmer die Situation in OWL und darüber hinaus beleuchten. Einigen lobenswerten Fortschritten bei der Gewässerrenaturierung stehen z.T. gewaltige Defizite gegenüber. Insbesondere die Situation des Grundwassers in Gebieten mit intensiver Tierhaltung bereit Sorgen. Als neuartige und äußerst bedrohliche Verschmutzung wurden multiresistente Keime in Gewässern entdeckt: auch hier möchte die Bezirkskonferenz eine Antwort des Ministeriums zur Situation in OWL.

 

Chancen für einen Erlebnisraum Oberweser: Regionale und Blaues Band

Seit 3 Jahren hat der länderübergreifende Initiativkreis Oberweser die Renaturierung der herabgestuften Bundeswasserstraße Oberweser zu einem Natur- und Erlebnisraum in Angriff genommen. Nach der großen Resonanz auf die Oberweser-Flusskonferenz 2016 in Hameln haben jetzt die 4 OWL-Kreise an der Weser die Initiative ergriffen, und wollen ein „Regionale“-Projekt dazu in Gang setzen. Darüber hinaus bewirbt sich die Region über die „Suedlink“-Gruppe niedersächsischer, hessischer und OWL-Landkreise für das Projekt „Blaues Band“ der Bundesregierung zur Renaturierung an Bundeswasserstraßen. Auch hierzu ist eine unterstützende Resolution vorbereitet.

 

Senne: Warten auf die Entscheidung der Bundeswehr

Der Wald auf dem Truppenübungsplatz Senne ist in Bundesbesitz und die Biodiversitätsstrategie der alten und neuen Regierung sieht 10% des öffentlichen Waldes als Wildnisentwicklungsgebiet ohne jede Forstnutzung vor. Dazu sind vom Förderverein Nationalpark Gutachten erarbeitet und Entscheidungsträgern vorgelegt worden. Des Weiteren herrscht mit der OWL-CDU und der Landesregierung Einigkeit über die Meldung zum „Nationalen Naturerbe“, sollten nach dem Abzug der britischen Streitkräfte Flächen aus der militärischen Nutzung fallen. Otte. „In Sachen Nationalpark sind die Bürger weiter als die Politik, wir werden daher an der Vision eines Nationalparks Senne festhalten.“

 

„Das wird auf jeden Fall auch ohne Ministerin, die sich von ihrem persönlichen Referenten vertreten lässt, eine interessante Veranstaltung, zu der auch BesucherInnen willkommen sind,“ meint Karsten Otte abschließend.

 

Die Bezirkskonferenz Naturschutz beginnt am Freitag, 23.3.2018 ab 15 Uhr im Großen Sitzungssaal der Bezirksregierung Detmold, Leopoldstr. 14. Hierzu möchte ich Sie herzlich einladen.

 

 

gez. Karsten Otte

Sprecher der Bezirkskonferenz Naturschutz

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